Digital Labs – der Schüssel zur digitalen Transformation? Teil I

Was ist eigentlich ein Digital Lab?
Verfolgt man die Presse und Publikationen der letzten Wochen und Monate zu Themen wie Industrie 4.0 oder Digitalisierung, so bekommt man den Eindruck, dass die Zukunft eines jeden Unternehmens auf einem Digital Lab fußt. Ganz egal ob großes Beratungshaus oder Industrieunternehmen – Digital Labs sprießen derzeit überall aus dem Boden. Je mehr dieser Einrichtungen entstehen, umso erstaunlicher ist, dass Unternehmen bei deren Aufbau keine wirkliche Strategie oder Methodik parat haben. Es ist zu erwarten, dass daher einige dieser Digital Labs in den nächsten Monaten aufgrund von grundlegenden Planungsfehlern und Misserfolgen wieder geschlossen werden. Doch widmen wir uns zunächst einmal der Fragestellung, was sich hinter dem Anglizismus „Digtial Lab“ verbirgt – dem Begriff, über den scheinbar jeder redet, aber jeder etwas anderes darunter versteht. In einem Punkt sind sich alle Diskutierenden einig: Digital Labs, also „digitale Labore“, befassen sich in irgendeiner Form immer mit dem Thema Digitalisierung im Zug der aktuellen Industrie-4.0-Welle. Zielsetzung der Digital Labs ist es, Ideen zur Realisierung von Industrie- bzw. Service-4.0-Ansätzen für das jeweilige Unternehmen zu finden.

Erfolgsfaktoren für den Aufbau eines Digital Lab
Der Ansatz eines Digital Labs birgt für Unternehmen große Chancen. Die Innovationskraft dieses Ansatzes und die Ideen, die daraus entstehen können, beinhalten das Potenzial für neue (digitale) Geschäftsmodelle und fundamentale Veränderungen der Geschäftsprozesse. Trotz oder gerade wegen dieser enormen Chancen bedarf es einiger wichtiger Überlegungen vor der Gründung eines Digital Labs. Folgende Bausteine sind aus unserer Sicht wichtig beim Aufbau und v. a. für den späteren Erfolg des Digital Labs:

Digital Leader
Der „Digital Leader“ – ebenfalls ein neu entstandener Begriff der letzten Monate und Jahre – ist ein wichtiger Bestandteil des Digital Labs. Dieser ist zum einen eine Art Projektleiter oder Unternehmer auf Zeit, um die neuen Digitalisierungsideen im digitalen Labor zu entwickeln. Er ist dabei nicht nur Führungskraft im unternehmerischen Sinne; vielmehr verkörpert ein Digital Leader im Digital Lab die Innovationskraft in Person. Es sollte folglich jemand sein, der einen Gründer- und Aufbruch-Spirit versprüht und in der Lage ist, Menschen für neue Ideen zu begeistern.
Neben der Besetzung der Leader-Rolle gilt es, diese auch mit entsprechenden Kompetenzen und Befugnissen auszustatten, damit der Digital Leader im Rahmen der Entwicklungen als eine Art Geschäftsführer wirken und daher hierin alle notwendigen Entscheidungen treffen kann.
Der Digital Leader ist wohl die am schwersten zu besetzende Ressource im „Lab“. In der Regel stammen die Digital Leader eines Unternehmens aus dem innovationsnahen Bereich Business Development oder werden von extern angeheuert. Ein Digital Leader kommt jedoch in keinem Fall aus der eigenen Entwicklung. Hier sind meist die fachlich besten und daher unbedingt für die Umsetzung notwendigen Experten beheimatet.

Das beste Team
Neben dem Digital Leader bedarf es des Weiteren eines speziell für das Digital Lab zusammengestellte Teams. Die Teamgrößen variieren hier je nach Branche und Phase, in der sich die Ideen des Digital Labs befinden. Für den Beginn empfiehlt es sich jedoch, ein Team in einer Größe von vier bis maximal acht Personen zusammenzustellen. Dieses kann im Verlauf der Ausarbeitungen noch beliebig vergrößert werden. Bei der Auswahl der Teammitglieder ist Folgendes zu beachten: Zunächst einmal sollte das Team möglichst heterogen sein (jüngere und ältere Mitarbeiter, Mitarbeiter aus verschiedenen Bereichen oder ggf. auch völlig neu eingestellte Kollegen aus anderen Branchen). Zielsetzung ist es, durch möglichst viel „Querdenken“ bahnbrechende Ideen zu entwickeln. Neben der fachlichen Exzellenz und der Heterogenität sollten sich die Mitarbeiter durch Innovationskraft und eine „Start-up-Mentalität“ auszeichnen. Es ist essenziell, dass die Mitarbeiter Freude an Neuem und am Ausprobieren haben. Entwickler, die seit 40 Jahren im Unternehmen sind, zählen meist nicht dazu – trotz ihrer fachlichen Auszeichnung. In der Praxis hat sich gezeigt, dass hier Denk- und Arbeitsmuster oftmals schon so tief verankert sind, dass es diesen Kollegen schwer fällt, neue Wege zu gehen. Dennoch ist es auch wichtig, Wert darauf zu legen, dass die ausgewählten Mitarbeiter ausreichend fachliche Eignung und Erfahrung mitbringen, damit auch umsetzbare und ausgereifte Ideen entstehen.
Um das richtige Team zu finden, empfiehlt es sich, ein Bewerbungsverfahren für das Digital Lab vorzuschalten. In diesem werden nicht nur die oben genannten Eigenschaften der Mitarbeiter geprüft; die Mitarbeiter haben zusätzlich darzustellen, warum gerade sie im Lab mitwirken wollen. So erhalten Sie einen guten Eindruck zu Motivation und Beweggründen der Mitarbeiter.

Welche Bausteine für den Aufbau eines Digital Labs noch fehlen und welche weiteren Hürden es zu überwinden gilt, erfahren Sie nächste Woche in meinem zweiten Teil zum Blogbeitrag „Digital Labs – der Schlüssel zur digitalen Transformation?“

Autor: Daniel Krones (Service Management Consulting) | Samhammer AG

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