Digital Labs – der Schlüssel zur digitalen Transformation? Teil II

Vor einer Woche habe ich Ihnen das Digital Lab erläutert und möchte ich Ihnen nun weitere Erfolgsfaktoren zum Aufbau eines Digital Lab aufzeigen:

Dedizierte Ressourcen
Neben dem Team als personelle Ressource sind weitere finanzielle Ressourcen für das Digital Lab freizugeben. Hierbei ist entscheidend, dass der Digital Leader frei und in vollem Umfang über dieses Budget verfügen darf. Weiterhin ist es von großer Bedeutung, dass das Team von allen anderen Aufgaben freigestellt ist und zu 100% im Digital Lab mitwirkt. Nur so können Entwicklungsfortschritt und Ideenreichtum durch Fokussierung sichergestellt und die Nachteile der üblichen Matrix-Projektorganisation umgangen werden.
Neben der Verantwortung für personelle und finanzielle Ressourcen hat der Digital Leader die Aufgabe, für optimale infrastrukturelle Voraussetzungen zu sorgen. Ein eigener Projektraum, in dem das Digital-Lab-Team sitzt, ist dabei ein erster Schritt in die richtige Richtung: Räumliche Nähe fördert den schnellen und unkomplizierten Austausch im Team. Die Erfahrung aus bisherigen Digital Labs hat jedoch auch gezeigt, dass Projekträume im bestehenden Unternehmen meist nicht ausreichen. Aufgrund der weiterhin bestehenden räumlichen Integration des Labs im Unternehmen können Vorgesetzte und andere Kollegen Einfluss auf die Ideen des Digital Labs nehmen – wenn auch nur informell oder indirekt z. B. über die Unternehmenskultur bedingt. Dadurch erfährt das digitale Labor eine enorme Limitierung in seiner Entscheidungsfreiheit und v. a. Innovationskraft. Daher ist es unerlässlich, ein Digital Lab außerhalb bestehender Unternehmensstandorte aufzubauen.

Kurze Entscheidungswege
Durch die vergleichsweise kleine Organisationseinheit von zu Beginn vier bis zehn Mitarbeitern (später ggf. 30–50 Mitarbeiter, je nach Projektinhalt) erfolgt die Kommunikation in der Regel im Team direkt, schnell und persönlich. Dabei ist darauf zu achten, dass die Anzahl an Hierarchiestufen möglichst gering gehalten wird und im Idealfall nur eine (Digital Leader – Projektteam) oder maximal zwei (Digital Leader – Team Leads – Projektteams) Stufen umfasst.
Einen wesentlichen Einfluss auf das schnelle Entscheiden hat neben der flachen Hierarchie auch die räumliche Nähe des Teams – wie unter „Dedizierte Ressourcen“ bereits dargestellt.

Agile Entwicklung
Digital Labs sind ähnlich wie Start-ups flexible und höchst dynamische Organisationsformen. Daher werden in Digital Labs in der Regel keine klassischen Entwicklungsmodelle (V- oder Wasserfall-Modell) angewandt. Die Entwicklung von digitalen Ideen erfolgt vielmehr über agile Entwicklungsansätze und nach dem Go-Learn-Go-Prinzip. Dabei werden in kurzen Entwicklungszyklen Ideen oder Teilaspekte von Ansätzen entwickelt bzw. und in regelmäßigen Rhythmen mit dem Digital Leader sowie den Kunden (also den Endanwendern des Digital-Lab-Ergebnisses) verprobt. Des Weiteren wird vorzeigbaren Ergebnissen mehr Bedeutung beigemessen als umfassender Dokumentation. Es wird daher nur das dokumentiert, was zur Gewährleistung der Nachvollziehbarkeit nötig ist. Ziel ist es, bürokratische Hürden und Bremsklötze so gering wie möglich zu halten.

Der Nutzen eines Digital Labs
Ähnlich wie in einem Forschungsprojekt arbeiten in einem Digital Lab dedizierte Ressourcen auf begrenzte Zeit an brennenden Zukunfts- und Innovationsfragen der Digitalisierung. Durch die Freistellung der personellen Ressourcen von anderen Aufgaben und der Bündelung an einem neuen Unternehmensstandort außerhalb der üblichen Organisationsinfrastruktur erhält das Digital Lab enorme Freiheitsgrade: Freiheitsgrade nicht nur hinsichtlich Kompetenzen, Entscheidungsgeschwindigkeit und Ressourcen, sondern v.a. bzgl. des Denkens und Verprobens neuer Ideen. So entwickeln sich eine Innovationskraft und ein Gründer-Spirit ähnlich wie in Start-ups, den langjährige Firmen mit eingefahrenen Denkmustern und Prozessen niemals erreichen. Digital Labs kombinieren somit das Beste aus beiden Welten: Die finanzielle Kraft eines etablierten Unternehmens und die Innovationskraft eines Start-ups.

 

Digital Lab Best Practices
Wenngleich Digital Labs derzeit wie Pilze aus dem Boden sprießen und jeder Konzern und innovationsfreudige Mittelständler ein Lab gründet, im Detail lassen sich die Unternehmen bei der Gestaltung ihres Digital Labs nicht in die Karten schauen.
Dennoch ist es nicht notwendig, auf Ergebnisse und Erkenntnisse aktueller digitaler Labore zu warten; der Ansatz der Digital Labs ist nämlich nicht neu. Bereits seit vielen Jahrzehnten wird dieser erfolgreich in anderen Bereichen der Innovation und Forschung eingesetzt. Die dabei angewandten Ideen und Methoden gehen zurück auf den Skunk-Works-Ansatz von Lockheed Martin, der ein erstes „militärisches Lab“ bereits während des zweiten Weltkriegs etabliert. Ziel war damals die schnelle und unbürokratische Entwicklung eines neuen amerikanischen Kampfjets. Viele Jahrzehnte später hat sowohl Lockheed Martin bereits zahlreiche Skunk-Works-Labs aufgesetzt – mit bahnbrechenden Erfolgen. So ist beispielsweise der „Stealth Fighter“ ein bekanntes Projektergebnis einer Skunk-Works-Initiative. Aber auch andere Branchen wie die Pharma- und Chemieindustrie setzen mittlerweile auf den Ansatz, ebenso wie die deutsche Automobilindustrie. So entstand beispielsweise der PKW Smart im Rahmen eines Skunk-Works-basierten Entwicklungsansatzes.

Autor: Daniel Krones (Service Management Consulting) | Samhammer AG

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