Arbeit und Führung im Wandel – Zukunft braucht Herkunft

Um vernünftig und praxisbezogen über Führung sprechen zu können, bedarf es einer Vergewisserung dessen, was Arbeit für den Menschen allein und im Zusammenleben mit anderen bedeutet: Notwendiges Übel oder Selbstentfaltung, ‚Maloche‘ oder Berufung, Fremdbestimmung oder Kreativität? Oder von allem etwas? Das diskutiert Prof. Dr. Peter Nieschmidt, Professor für Politologie a.d. FH München i.R., in einem kontroversen Beitrag in dem KVD-Fachmagazin SERVICETODAY. Dazu ist eine Rückbesinnung auf die Vergangenheit notwendig, um einen Blick in die Zukunft werfen zu können.

Hart am Rand zulässiger Vereinfachung und skizzenhafter Grobzeichnung lassen sich dem Politologen nach in der abendländischen jüdisch-christlichen Tradition drei Wahrnehmungs- und Deutungshorizonte ausmachen, in denen sehr unterschiedliche, aber notwendig aufeinander angewiesene und zu beziehende Aspekte der menschlichen Arbeit erkennbar werden. Es lassen sich unterscheiden: ein katholisches, ein lutherisches und ein calvinistisches Verständnis von Arbeit. Daraus entwickelt Nieschmidt eine ungewöhnliche Herleitung des Verständnisses von Innovation und Zukunftsfähigkeit.

Das „älteste“, das katholische wurzelt im „ora et labora“ der benediktinischen Ordensregel und zeigt, das menschliche Arbeit einen hohen, aber nicht den obersten Stellenwert im Leben jedes einzelnen hat. Das Entscheidende im katholischen Arbeitsverständnis aber ist, dass alle Arbeit wesenhaft gesehen wird als soziale, interpersonale Aktion, also das Mit-, Zu-, Zusammen-, Vor-, Nach- oder Korrekturarbeit. Mit der Reformation – vor allem Martin Luther – bricht sich ein neuartiges Verständnis von Arbeit Bahn, wonach nicht nur das Priesteramt, sondern jeder gewissenhaft und verantwortungsvoll ausgeübte Beruf seinen Rang und seine Würde vor Gott hat. Beruf kommt von Berufung. Das calvinistische Verständnis von Arbeit sieht in den vielfältigen Arbeitsprozessen auch der industriellen Revolution, in denen der Mensch seine verderbliche Neigung zu Müßiggang, Bequemlichkeit, Faulheit und Genusssucht tätig überwinden kann, eine geradezu heilsgeschichtliche Notwendigkeit. Mittelalterliche Kontemplation als ineffiziente Zeitverschwendung wird verworfen zugunsten rastloser Tätigkeit („Arbeit ist mein Gebiet“) und unablässigem Streben nach Gewinn, der als „Segen des Herrn auf meiner Hände Arbeit“ gedeutet wird. Führung im Sinne eines „hegelschen“ Arbeitsverständnisses hieße dann: Nicht ein bloß ‚Vor-Gesetzter‘, sondern eine Führungspersönlichkeit erkennt und fördert die Begabungen und Potenziale, die Fantasie und die Kreativität der Mitarbeiter und verbindet sie miteinander in Teams und Projekten zu Arbeitsprozessen, die in gleicher Weise die Unternehmensziele erreichen wie das Selbstwertgefühl der Mitarbeiter stärken. So und nur so werden die Bedingungen geschaffen für Innovation und die Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens.

Der KVD bietet Ihnen die komplette Herleitung von Nieschmidt in der aktuellen Ausgabe seines Fachmagazin SERVICETODAY. Außerdem wird Prof. Dr. Nieschmidt eine Fachsequenz auf dem 37. KVD Service Congress gestalten. Anmelden zur zweitägigen Veranstaltung am 9. und 10. November 2017 kann man sich unter www.service-congress.de.

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