Arbeit heißt Probleme lösen – auch in der Zukunft?

Erik Händeler war der Eröffnungsredner auf dem diesjährigen KVD Service Congress. Und er hatte gute und schlechte Nachrichten in seiner Keynote „Die Geschichte der Zukunft – Sozialverhalten heute und der Wohlstand von morgen“ dabei. Um mit einer guten zu beginnen: Uns wird niemals die Arbeit ausgehen. Arbeit heißt Probleme lösen. Damit setzte sich der Wirtschaftswissenschaftler all jenen Pessimisten entgegen, die in der steigenden Technisierung und Digitalisierung von Arbeitsprozessen den Verlust der Arbeit für einen Großteil der Menschen sehen.

Aber, um das deutlich zu sagen: Um weiterhin Wohlstand zu garantieren, muss sich die Arbeitskultur ändern. Da kann man ihm nur zustimmen: Trotz derzeitigem wirtschaftlichen Booms können die kommenden Jahre unbequem werden. Der Grund: Eine wichtige Ressource – eben der gute Mitarbeiter – wird knapp. Grundlage von Erik Händelers Ausführungen sind die Gedanken des russischen Ökonomen Nikolai Kondratieff, der Ende der 1930er Jahre die Theorie der langen Konjunkturwellen formulierte. Er ging davon aus, dass die Weltkonjunktur in langen Wellen schwankt: Am Beginn jedes Wirtschaftsaufschwungs steht auf der einen Seite eine umgreifende, neue Technologie, die nur deshalb entwickelt wird, weil ein Produktionsfaktor zu knapp wird und daher der Produktivitätsfortschritt fehlt. Diese Knappheit an bestimmten Produktionsfaktoren bezeichnet Händeler als „ökonomischen Flaschenhals“. Händeler gehört zu der Fraktion, die glaubt, dass der Mangel an Gesundheit der ökonomische Flaschenhals ist, der uns zur Veränderung zwingt. Daher sei es bei allen technischen Innovationen vor allem wichtig, künftig in den Faktor Mensch zu investieren. Letztlich bestimmten wir mit unserem heutigen Sozialverhalten und unserer Ethik den Wohlstand von morgen – so Händelers Ausführungen.

Sein Standpunkt: Wohlstand hängt von Produktivität ab: Nur weil wir produktiver werden, ist Wirtschaftswachstum überhaupt möglich. Je komplexer alles werde, desto mehr sei man auf das Wissen und die Erfahrung anderer angewiesen, um die Produktivität zu steigern. Die Ethik des Erfolges beinhalte etwa eine dienende Kultur statt interner Machtkämpfe. Auch müssten das gesamte Organisationswissen mobilisiert und für alle Mitglieder verfügbar sein, statt eine Person oder Sichtweise von vornherein zu verabsolutieren. Darüber hinaus sollten Konflikte fair geklärt werden statt sie zu unterdrücken oder gewaltsam auszufechten. Für die Arbeitswelt der Zukunft zählten laut Händeler Planen, Beraten, Entwickeln und Probleme lösen zu den wichtigsten Aufgaben. Und lebenslanges Lernen und Weiterbilden. Die traditionell herrschende Erwerbsbiografie sieht Erik Händeler als überholt an: Wir werden durchschnittlich 90 Jahre alt. Da können wir nicht mit 60 Jahren in Rente gehen. Ziel muss es sein, weniger zu arbeiten, um ein Leben lang arbeiten zu können. Und das sei besonders im Kundendienst wichtig: Die Kunden werden auch immer älter. Da brauchen wir auch ältere Mitarbeiter, die sich mit den Kunden auf Augenhöhe unterhalten können.

Autor: Michael Braun, Kundendienst-Verband Deutschland e. V.

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