Dem Xerox-Bug auf der Spur: „Traue keinem Scan, den du nicht selbst gefälscht hast“

Vor vier Jahren entdeckte Kriesel zufällig, dass Xerox Scankopierer aus Xerox Workcentern beim Scannen Zahlen und Buchstaben einfach so durch andere ersetzten. Dadurch kann es zu mitunter eklatanten Fehlern beim Abscannen von Dokumenten kommen. Um den Grund gleich vorweg zu nehmen: Aufgrund eines Kompressionsfehlers in der Scansoftware ersetzten die Xerox Scandrucker bei ihren Scans ähnlich aussehende Zahlen und Buchstaben – so wurde beispielsweise aus einer Sechs eine Acht. Nicht immer – aber oft genug, um Zahlenreihen zu verfälschen.

David Kriesel kontaktierte zunächst den Support den Xerox und erhielt keine hilfreiche Antwort. „Wer sich auf den Support verlässt, ist verlassen“, konstatierte Kriesel in seinem kurzweiligen Vortrag auf dem Congress. Was tun? Klar: Er veröffentlichte seine Entdeckungen in seinem Blog und es dauerte nicht lange, bis sich die medialen Wellen überschlugen. Immer mehr selbst betroffene Leser meldeten sich bei David Kriesel. Wurde seine Entdeckung zunächst nur auf fachinternen Websites geteilt, interessierten sich nach kurzer Zeit auch die Massenmedien für das Xerox Problem, darunter BBC, The Economist, ABC News und andere. „Ab da wurde es für Xerox PR-technisch auch richtig teuer“. Und gleichzeitig stieg bei David Kriesel die Nervosität: „Ich bin mehr als einmal nachts aufgestanden, um zu überprüfen, ob ich das wirklich alles korrekt wiedergegeben habe, oder ob ich mich angreifbar mache.“ Ihm ist es wichtig zu betonen, dass er zu keinem Zeitpunkt dem Druckkonzern schaden wollte, aber eine adäquate Reaktion seitens der Firma das Problem zu beheben, blieb auch weiterhin aus. Erst nach vier Tagen – und das ist im medialen Sturm eine lange Zeit – begann die direkte Kommunikation mit Xerox. Nach einigem Hin und Her entwickelte Xerox einen Patch, der den Fehler beheben sollte. Wie sich herausstellte, war der Fehler bereits acht Jahre im Umlauf. David Kriesel und Xerox trennten sich nicht im Streit, im Gegenteil: Die Zusammenarbeit wurde konstruktiv. Xerox wusste die Arbeit des deutschen Informatikers zu schätzen und bedankte sich bei ihm, dass er den Bug in seiner Tragweite erfasst hatte.

Autor: Michael Braun, Kundendienst-Verband Deutschland e. V.