Von Startups lernen – aber wie?

Berlin gilt als DER Hotspot für die Gründerbewegung im IT- und Smart Service-Umfeld. Hier treffen Entwickler spannender Geschäftsmodelle auf Gleichgesinnte, aber auch auf Investoren und Kooperationspartner. Diese treffen sich nicht selten in Collaborationsräumen und Coworking-Spaces – auch dafür ist Berlin bekannt. Ich habe jetzt die Gelegenheit genutzt, bei einer Spezial-Ausgabe der KVD Spotlight-Reihe eine Learning Journey anzugehen und zu erfahren, wie Startups denken, arbeiten und sich entwickeln. Wichtig war mir auch der Transfer für das eigene Business – was kann man von Startups lernen, wie kann man Collaborationsformen in die eigene Organisation transferieren? Das und mehr gab’s bei der besonderen Veranstaltung des Service-Verbandes KVD e. V. zu erfahren.

Die ersten Schritte auf dem Weg in die Startup- und Coworking-Welt machten wir – natürlich – zu Fuß. Ein gemeinsamer Spaziergang führte uns zum bekannten Coworking Space betahaus in der Prinzessinenstraße. Hier stellt ein Betreiber eine technische Infrastruktur für Menschen zur Verfügung, die beispielsweise noch in den Anfängen ihrer unternehmerischen Entwicklung stecken und über kein eigenes Büro verfügen. Hier treffen sich aber auch Menschen, die gerne zusammenarbeiten mit Gleichgesinnten, die Inspiration und Collaboration suchen. Dazwischen finden sich auch kleine Hubs etablierter Unternehmen, die diese kreative Umgebung nutzen wollen und gemeinsam mit Talenten Projekte entwickeln möchten. Je nach eigenem Anspruch kann man sich im betahaus in verschiedenen Abstufungen einmieten – vom Tagesticket für 15 Euro über den Monatsaccount für 99 Euro bis zur Premium-Mitgliedschaft für 199 Euro. Ähnliche Preise gelten übrigens auch für St. Oberholz, dem zweiten Coworking-Space, der an dem Tag besucht wurde.

Zwischen diesen beiden Stationen lagen verschiedene Abstecher zu Berliner Startups; die Strecken wurden zu Fuß oder per ÖPNV überbrückt, zur Freude vieler Teilnehmer, die so Berlin einmal auf eine ganz andere Art und Weise entdecken konnten. Mir haben sowohl das betahaus als auch St. Oberholz richtig gut gefallen: eine tolle Arbeitsatmosphäre, passendes, kreatives Ambiente, dazu auf Anhieb aufgeschlossene, kreative Menschen, mit denen man schnell in Kontakt kommt – hier lässt sich arbeiten. Ich überlege schon, ob so ein dauerhafter Platz im St. Oberholz oder im betahaus nicht Sinn machen könnten – so selten ist man ja nun auch wieder nicht in Berlin, und es gibt immer Phasen, wo man eigentlich arbeiten könnte – wenn man die passende Umgebung dafür hätte.

Zurück zur Learning Journey: Beim Startup Gnosis stand die Blockchain-Technologie im Vordergrund. Auf ihrer Basis will Gnosis ganz neue Wege für Voraussagen beschreiten, die zum Beispiel Marktentwicklungen und -potenziale von Services und Technologien betreffen. Nach einem kurzen Vortrag zum Geschäftsmodell entwickelte sich eine spannende Diskussion zwischen dem Blockchain-Experten Alessandro Gasch und den Spotlight-Teilnehmern. Nicht minder lebhaft ging der Austausch beim zweiten Startup zu, bei der Kreatize GmbH. Die Teilnehmer diskutierten mit Geschäftsführer Simon Tüchelmann intensiv vor allem den monetären Ansatz des Startups. Hier konnte man sehr gut den Kontrast zwischen den unterschiedlichen Haltungen erkennen. Derweil die einen eher bekannte Business-Strukturen suchten und nach der Profitabilität fragten, argumentierte Simon Tüchelmann eher in die Richtung des Kerns eines Startups: ein neues Geschäftsmodell zu generieren, es auszutesten, neue Lösungen zu finden und möglicherweise etablierte Unternehmen zu befruchten.

Kreatize bietet die Möglichkeit, Bauteile schnell und einfach zu bestellen – als Prototyp- und Kleinserie. Unternehmen können eine CAD-Datei hochladen und in weniger als 120 Minuten ein Angebot erhalten. Das Startup bietet professionelle Beratung und Zugriff auf ein großes Netzwerk. Mit zertifizierten Herstellern soll eine hochwertige Qualität gesichert werden.

Am Abend stellte Friedrich Wilhelm Trott seine Startup-Idee vor: Er hat eine besonders innovative und flexible Personalvermittlung initiiert. Zenjob heißt sie und nutzt eigene Technologie, mit der Nutzer passende Nebenjobs in ihrer Nähe finden können. Auch Unternehmen erfahren durch die digitale Lösung von Zenjob eine vereinfachte Möglichkeit, passende Aushilfen zu finden und einzusetzen. Ich hatte die Freude, beim Abendessen im Parker Bowles neben ihm zu sitzen und mich mit ihm ausführlich austauschen zu können. Die Idee hat absolut Potenzial, und ich glaube, dass sie gerade auch für Hochschulballungsgebiete wie das Ruhrgebiet oder an der Rheinschiene richtig gut funktionieren würde.

Am zweiten Tag stand die Auseinandersetzung mit den Erfahrungen der Startup-Besuche im Vordergrund. In Kleingruppen wurde daran gearbeitet, intensiv zu ergründen, welche Potenziale in den besuchten Startups gesehen werden. Auch die Transformation auf das eigene Business war immer wieder Thema in den Diskussionen. In der abschließenden Review-Session zeigten sich die Teilnehmer sehr angetan von der Gesamtveranstaltung – und ich auch.

Fazit: Es war eine gute Mischung aus Lernen und Laufen, auch die Verbindung der Punkte durch den ÖPNV war gut. Man hat so auch etwas von der Stadt und den Menschen in Berlin gesehen – das mache ich ja sowieso ganz gerne. Auch das Format hat mir gut gefallen: Es war gut, dass es mal ganz anders war. Man kommt mit anderen viel besser ins Gespräch – das hat Spaß gemacht. Positiv hervorheben möchte ich auch noch die Zusammensetzung der Gruppe mit extrem unterschiedlichen Hintergründen und verschiedenen Meinungen. Jetzt ist es Zeit für den Transfer ins eigene Arbeitsumfeld.

Autor: Michael Braun