Kleinstprojekte agil umsetzen

Neue Formen der Projekt- und Zusammenarbeit liegen im Trend. Welche Veränderungen lassen sich im Projekt- und Innovationsmanagement beobachten? Und welche Bedeutung haben Kollaborationstools im internationalen Kontext? Jan Fischer, Geschäftsführer und Gründer der innosabi GmbH, hat diese Fragen ausführlich in der aktuellen Ausgabe 3/18 der SERVICETODAY beantwortet. In diesem Blog-Beitrag fassen wir die wichtigsten Erkenntnisse zusammen.

innosabi steht ohne Zweifel für agile Innovationen: Es geht darum, schnell Innovationen zu entwickeln und in den Markt zu bringen. Dazu gehört auch, die Möglichkeit zu haben, lieber früh und günstig zu scheitern als spät und damit teuer. Das ganze Thema hat sich enorm weiterentwickelt, und damit auch innosabi. Jan Fischer sieht eine Weiterentwicklung auf der methodischen Seite, aber auch auf der Kundenseite, in den Communities und im Selbstverständnis der Communities. Insbesondere große Konzerne setzen heute Software-Plattformen dauerhaft ein, um externe Menschen in Entwicklungsprozesse zu integrieren. Es geht mehr um Innovationen und weniger um Produkte. Das gilt zum Beispiel für Automobilhersteller, die mit Autohäusern zusammenarbeiten. Führer hat man Kampagnen mit Konsumenten gemacht, heute bindet man dauerhaft und strukturiert das gesamte Ökosystem eines Unternehmens ein. Zu diesem Ökosystem gehören sämtliche externe Parteien, die über relevantes Wissen verfügen, die sich aber auch unternehmensintern wiederfinden.

Jan Fischer wirft einen beispielhaften Blick auf die Automobilbranche: Dort wird vom klassischen Zulieferer gesprochen, aber auch von Finanzdienstleistern bis hin zum Endkunden, der später im Auto sitzt, oder bis zum Flottenmanager. Am Ende steht die eine Frage – und das ist gleich geblieben: Wie schaffe ich es, meine Lösung besser, effizienter zu gestalten? Der Unterschied ist: Diese Fragestellung wird von wesentlich mehr und verschiedenen Stakeholdern beantwortet. Die Gruppen sin für sich aktiv, werden aber mit den richtigen Methoden vernetzt. Wenn ich Zulieferer beauftragen möchte, Innovationen zu liefern, dann mache ich das nicht mit einer Kundencommunity, da Zulieferer A nicht sehen darf, was Zulieferer B geliefert hat. Es handelt sich mehr um kleine, inkrementelle Projekte mit fünf Teilnehmern und zwei Unternehmen. Dieser Veränderung im Markt begleitet innosabi.

Die Plattformen sind bei den Unternehmen also so etabliert, dass der Konzern auf internationaler Ebene agieren kann. Es geht um die Möglichkeit, auch Komplexität von Konzernen zu handhaben, gerade auch im internationalen Kontext. Aus technischer Sicht heißt das: Wie gehe ich damit um, dass ich sieben verschiedene Sprachen habe? Wie autoübersetze ich die Inhalte, so dass es vertraulich bleibt und eine gute Qualität bietet? Wie bilde ich Besonderheiten in verschiedenen Ländern ab, wenn es zum Beispiel unterschiedliche Prozesse gibt, wie Ideen verarbeitet werden, weil die Betriebsräte unterschiedliche Prozesse verabredet haben? All das sind Innovations- und Ideenprogramme, die einheitlich geführt und gemanaged werden müssen.

Spannend ist die Frage, ob es beim Betrieb internationaler Plattformen auch kulturelle Unterschiede gibt. Jan Fischer hat beobachtet, dass Asiaten zum Beispiel begeistert davon sind, mitbestimmen zu können – und das sehr engagiert. Auch Amerikaner sind sehr offen für neue Absätze, neue Plattformen, neue Designs. Jan Fischer glaubt, dass es innovative Unternehmen gibt, und innovative Branchen, die offen sind für neue Konzepte. Und es gibt traditionellere Branchen, die verschlossener sind. Man kann es so formulieren: Jedes Unternehmen, dass sich über eine Innovationsführerschaft definiert, komplex agiert in der Hochtechnologie, ist offen für solche Plattformen. Automotive, Chemie, Pharma – das sind Branchen, in denen die Konzepte funktionieren, da auch die Mitarbeiter einen hohen F&E-Anteil mitbringen. Je weniger Veränderung Mitarbeiter gewöhnt sind, umso schwieriger ist der Zugang. Wenn man Jan Fischer danach fragt, wie die nächsten Entwicklungsschritte aussehen können, geht es vor allem um Big Data und Künstliche Intelligenz. Es gibt große Megatrends, die Einzug halten, in gewisser Weise zählt dazu alles rund um Big Data und künstlicher Intelligenz, was zur Auswertung von Innovationscontent enorm relevant ist.

Konkret kann das so aussehen: 100.000 Mitarbeiter denken in einem Unternehmen über Geschäftsmodelle und Service-Innovationen nach. Sie haben gute Ideen, und in erster Linie nehmen sie an Projekten in den Communities teil, schreiben dort ihre Ideen und Konzepte hinein.Über einen gewissen Zeitraum betrachtet entsteht ein großes Volumen an Daten, das zwar noch nicht reicht für ein klassisches Big Data, aber immerhin dazu, mit Algorithmen Auswertungen vorzunehmen. Im Prinzip entsteht eine neue Methode: Früher wurde eine Kampagne gestartet und dazu Wissen abgegrast, und im Ergebnis stand eine Lösung auf die ursprüngliche Fragestellung. Irgendwann stellt man sich aber auch die Frage: Worüber spricht mein Unternehmen eigentlich, was bewegt die Menschen, auch im globalen Kontext. Dazu muss ich in der Lage sein, alle Plattformen zu durchsuchen. Es kommt doch vor, dass eine Plattform für Lieferanten aktiv ist, parallel eine für Innovationsmanagement. Alle sind verknüpft unter einem Dach, in dem Fall dem innosabi Hub, und in diesem Hub steckt die Intelligenz, alle Plattformen zu durchsuchen.

Ein Beispiel zum Schluss: Ich möchte wissen, wer im Unternehmen sich schon Gedanken zur Verfizierung unserer Lösungen über Blockchain gemacht hat. Das Vorgehen in der alten Welt wäre: ich schaue in meiner Division, wer in diesem Bereich arbeitet und wer angesprochen werden könnte. Die neue Welt ermöglicht, dass ich ins Hub gehe, um Schlagworte einzugeben und die unterschiedlichen Plattformen zu durchsuchen. So finde ich Personen, die an dem Thema gearbeitet haben, ich finde Projekte, in denen das Thema diskutiert wurde, und zwar komplett unabhängig davon, in welchem Land das stattgefunden hat. Ich starte dann ein Projekt, zum Beispiel mit zwei Mitarbeitern aus Brasilien und England und dazu mit einem Kunden. Diese Gruppe kann das Thema schnell als agiles Team umsetzen. Es nicht mehr um die großen Projekte, sondern im Fokus steht ein Werkzeug, das ich so einfach wie PowerPoint einsetzen kann und mit dem ich agil im Innovationsgeschäft aktiv bin. Um diese Möglichkeit wiederum entsteht durch Kleinstprojekte, die ich bisher gar nicht umsetzen konnte.

Autor: Michael Braun