Banken verlieren den Anschluss an die Digitalisierung

Zum dritten Mal nach 2013 und 2015 hat die Unternehmensberatung Roland Berger sich unter Führungskräften und Entscheidern des Retail-Banking-Sektors umgehört: Halten Finanzdienstleister Schritt mit der Digitalisierung? Die komplette Studie kann hier heruntergeladen werden, zentrale Ergebnisse und Handlungsempfehlungen hat Ihnen der KVD in diesem Beitrag zusammengefasst.

  • Die befragten Banken konnten ihr digitales Angebot in den letzten Jahren deutlich ausbauen – dieser Fortschritt beschränkt sich jedoch meist auf die Digitalisierung klassischer Bankprodukte. Für echte Innovationen bleibt keine Zeit, und so sehen auch nur zwei Prozent der Befragten die klassischen Retail-Banken als Innovatoren (47 Prozent: die großen Technologie-Unternehmen, 42 Prozent: FinTechs).
  • Die Befragten sind sich einig: Ähnlich wie in den Bereichen Luftfahrt oder Lieferdienste liegt die Zukunft der Branche in Vergleichsplattformen und Marktplätzen. 66 Prozent sehen sich dabei in der Rolle der „Kunden-Experten“ – Haupttreiber für den Aufbau solcher Plattformen sind ihrer Meinung nach aber erneut Tech-Giganten und FinTechs.
  • Veraltete IT-Legacy-Strukturen und eine mangelnde Veränderungsbereitschaft bei Mitarbeitern und Entscheidern werden als Hauptgründe für fehlende Innovationskompetenz benannt. Gleichzeitig sind andere Industrien längst in die nächste Phase der Digitalisierung eingetreten und erfinden sich und ihre Geschäftsmodelle mit Hilfe disruptiver Innovationen neu.
  • Was können Retail-Banken und Finanzdienstleister in dieser Situation tun? Die Autoren der Studie empfehlen einen internen Klärungsprozess hinsichtlich der strategischen Positionierung. Die möglichst universelle Aufstellung vieler Banken ist ein Auslaufmodell, es gilt zu klären: Wollen wir Kunden-Experten, Produkt-Experten oder Technologie-Anbieter sein?
  • Bei der Umsetzung der strategischen Positionierung ist maximale Flexibilität gefragt. Je innovativer, disruptiver und ungewisser das erwartete Ergebnis ist, desto agiler und flexibler muss der gewählte Ansatz sein.