Prof. Dr. Eckard Minx: Zukunft ist das Ergebnis von Entscheidungen und deren Umsetzung

„Vom Weg abkommen, um nicht auf der Strecke zu bleiben – Wer die Welt von morgen gestalten will, muss sie heute verstehen.“ Der international angesehene Zukunftsforscher Prof. Dr. Eckard Minx räumte auf dem 39. KVD Service Congress zunächst mit der Annahme auf, man könne Zukunft in irgend einer Weise berechnen: „Zukunft ist das Ergebnis unserer Entscheidungen und deren Umsetzung in Produkten und/oder Prozessen“, sagte Minx zu Begin seiner Keynote. „Sie wird imaginiert und konstruiert.“

Es existieren keine Daten über die Zukunft. Die Entscheidungen, wie Zukunft aussehen könnte, beruhen immer auf Emotionen und Annahmen. Zukunft wird immer als Überraschung daherkommen“, erklärte der Wissenschaftler. Und doch macht es Sinn, Zukunft zu denken: „Wir brauchen Vorstellungen, Visionen und Imagination, um Handlungsfähig zu sein.“ Eckard Minx gab dem Plenum mit seinen Ausführungen die Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen einzuordnen und zu verstehen.

Laut Minx ist „Digitalisierung“ eines der Schlüsselworte unserer Zeit. Aber sie ist kein Schreckgespenst – wir sind bereits mitten drin.“ Die Frage ist, was gerade „da draußen“ wirklich passiert. Klar ist, die Entwicklungen laufen nicht immer linear, sondern vielfach exponentiell. Beispiel gefällig. Als weltweit Fachleute im Jahr 2009 gefragt wurden, wie lange es dauern könnte, bis Autonomes Fahren möglich sei, war die einhellige Meinung: Nicht vor dem Jahr 2030. De Facto für das erste Fahrzeug bereits 2013 autonom im normalen Verkehr. Im Digitalen Zeitalter gewinnt Veränderung an Dynamik. „Erfindungen entstehen, weil Wissen neu kombiniert wird“, erklärt Minx. Und im Zeitalter von Big Data wächst das verfügbare Wissen rasant. „Wir können spielerisch, experimentell Zukunft denken,“ forderte der Zukunftsforscher. „Wir müssen offen mit der komplexen Welt umgehen, mit einer kreativen Kombination von Wissen aus unterschiedlichen Fachrichtungen“.

Ein Aufruf zur Kollaboration also, zur partnerschaftlichen Arbeit, zu agilen Strukturen. Minx nennt das „Intelligentes Wir“. Wir brauchen Brückenbauer – keine Schrankenwärter, vieldisziplinäre Teams – weniger Einzelkämpfer“. Jeder Einzelne sei herausgefordert, an sich zu arbeiten, neue Wege zuzulassen. „Sorge sollte uns weniger die Technik machen“, gab Eckard Minx zu bedenken. Technik ist neutral und nützlich. Grund zur Sorge sei eher, „dass die Mehrheit leichtgläubig ist und Technik nicht hinterfragt. Die Gefahr ist, dass heute die Technik dem Menschen nie dagewesene Macht verleiht.“ Minx sprach sich deutlich für eine (Unternehmens-)Kultur aus, in der Experimente und Fehler erlaubt seien. „Es ist nicht die Planung, sondern das Handeln, das Veränderung schaffen kann.“ Zukunft sei eben eine Gestaltungsaufgabe, auch mit kleinen Schritten. Und bei aller Technisierung und Digitalisierung hatte er für die Servicebranche im Speziellen noch eine Botschaft: „Service macht den Unterschied. Der größte Effekt von Service liegt in der „Buddy to Buddy“ Beziehung. Der Mensch, die humanen Seiten sind weiterhin die zentralen Schlüsselkomponenten für den Erfolg.“